Zerstörung von Lebensraum


Mein Elternhaus grenzte an ein Feld und an dem Grundstück entlang floss ein Bach. Selbiger war etwa einen halben Meter breit und vielleicht dreissig Zentimeter tief. Mitten im angrenzenden Feld befand sich eine Senke. Dies Senke beheimatete ein natürliches Biotop umgeben von Schilf und zahlreiche Büsche, Unterholz und kleine Bäume.

Zahlreiche Arten von Lebewesen waren in diesen Feuchtarealen beheimatet. Im Bach selber lebten Fische, vorwiegend Stichlinge. Da es jedoch ein langsam fliessendes Gewässer war fand man auch Frösche in grosser Zahl. Ich muss zugeben, dass wir als Kinder oft Fische und/oder Kaulquappen gefangen haben.....

Neben Fröschen konnten wir allerdings auch häufig Kröten, teils sehr grosse Exemplare bewundern. Daneben erinnere ich mich an viele Insekten, die wir als Kinder beobachten konnten. Viele Formen von Schmetterlingen, Hummeln, Wespen, Bienen und zahlreiche grosse und kleine Libellen. Den Wildwuchs entlang des Baches besiedelten zudem vor allem Grashüpfer.

Froschlaich Infobild Auch grössere Tiere waren zu dieser Zeit ein gewohntes Bild. Vor allem Feldhasen und Fasane konnten wir oft sehen. Seltener bekam man Füchse zu Gesicht.

Natürlich gab es auch weniger erfreuliche Beobachtungen, die man als Kind machen konnte oder musste. Der Bach und seine Versteck-Möglichkeiten zog mitunter auch Ratten an und oft klebten uns Blutegel an den Beinen, insbesondere wenn wir in Gummistiefeln durch den Bach wateten.

Zu dieser Zeit hatte der Lebensraum entlang meines Elternhauses jedoch noch sehr viel an Natürlichkeit und beheimatete damit zahlreiche Tiere.

In den späten siebziger Jahren wurden dann im Rahmen von Restrukturierungsmassnahmen diese Lebensräume aufgelöst. Diese ganzen Maßnahmen erfolgten unter dem Titel "Flurbereinigung". Die Naturflächen mussten Agrarflächen weichen. Der Weiher und der Bewuchs im o.g. Feld wurden mechanisch abgerissen bzw. zugeschüttet und damit auch der Lebensraum für zahlreiche Tiere genommen.

Schliesslich wurde auch der Bach trocken gelegt, indem man seinen Lauf umleitete in einen kanalisierten Graben, der in der Hauptsache unterirdisch erfolgt. Heute erinnert nur noch der trockene Graben an den Bach aus meiner Kindheit.

Die Auswirkungen auf die Natur sind unverkennbar. Die meisten Tiere "aus meiner Kindheit" sind "verschwunden". Anstatt dessen findet man ein grosses Feld vor, welches fleissig beackert und gedüngt wird. Einzig noch ein paar Hasen sind ab und an zu sehen. Und diese wenigen Hasen werden obendrein im Herbst gejagt, was man als Aussenstehender nun so garnicht mehr nachvollziehen kann.

Mit Strassenbau, Versiegelung von Flächen, Trockenlegung und Überdüngung nimmt der Mensch gerade amphibischen Tieren wichtige Lebensräume. Von daher ist es löblich und hilfreich, wenn Menschen in Gärten Teiche oder Feuchtbiotope anlegen. Für mich war es erstaunlich zu beobachten, wie schnell sich verschiedenste Tiere ansiedeln, sobald der Teich "bezugsfertig" war. Wasserläufer, Schmetterlinge oder Libellen waren im Nu da, um den neu geschaffenen Lebensraum in Besitz zu nehmen.

Naturschutzgebiet Masuren
Naturschutz für Frösche